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Resilienzförderung im Ganztag – eine Zwischenbilanz

Kinder reichen sich die Hände

© DKJS/ Dany Ibovnik


Wie können wir ein Umfeld schaffen, das die Resilienz von Kindern fördert? Inwiefern stärken unsere Angebote Resilienz? Und wo sind ergänzende Handlungsansätze möglich? Mit diesen Fragen beschäftigen sich deutschlandweit insgesamt 130 Horte, offene Ganztagsgrundschulen, Familienzentren oder Kindergärten im Programmschwerpunkt Resilienz im Ganztag (RiGa). Die Corona-Pandemie mit ihren negativen Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche hat gezeigt, wie wichtig dieses Thema ist.

Seit Beginn des Jahres unterstützen 25 Prozessbegleiter:innen die Einrichtungen dabei, ihre eigenen Angebote zu reflektieren. Darauf basierend entwickeln sie einen Fahrplan und konkrete Maßnahmen, um ein resilienzförderndes Umfeld für Kinder zu schaffen. Welche Themen und Schwerpunkte beschäftigen die Einrichtungen? Wir ziehen eine erste Zwischenbilanz.

Ist-Stand-Analyse

Den Begleitprozess starteten die pädagogischen Fachkräfte mit einer umfassenden Bestandsaufnahme. Das Team nutzte ein digitales Tool, um sich mit zwölf Aspekten, die relevant für Resilienzentwicklung sind, auseinanderzusetzen: Inwieweit stärken sie die Resilienz von Kindern bereits und wo liegen Ansatzpunkte für Verbesserungen? 

Grundlage für diese Reflexion sind zum einen sechs Resilienzfaktoren nach Rönnau-Böse/Fröhlich-Gildhoff (hellblaue Felder) (vgl. Rönnau-Böse 2011, S. 362) und zum anderen sechs Handlungsansätze, die das Zukunftsinstitut in seiner Studie „Zukunftskraft Resilienz” (dunkelblaue Felder) benennt (vgl. Zukunftsinstitut 2021, S 56ff.). 

Die 12 Resilienzfaktoren

12 Faktoren der Resilienz

© DKJS

Bisher haben 91 Teams das Reflexionstool genutzt. Auf einer Skala von 1 (sehr gering)  bis 7 (sehr hoch) konnten die pädagogischen Fachkräfte anhand von vier Reflexionsfragen ihre Praxis einschätzen. In den Ergebnissen der Befragung zeigt sich, dass die Einrichtungen einige Aspekte bereits aktiv fördern, wie beispielsweise „Soziale Kompetenzen stärken“ oder „Selbstwirksamkeit erfahren“. 

Strategien zur Stressbewältigung kennenlernen

In anderen Bereichen sehen die Fachkräfte noch Lücken, etwa bei der Stressbewältigung. Viele Kinder wissen gar nicht, was genau Stress ist oder wie sich dieser anfühlt. Auch wie sie damit umgehen bzw. Stresserleben entgegenwirken können, haben sie noch nicht gelernt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die pädagogischen Fachkräfte ihre Kinder intensiv beobachten, Veränderungen wahrnehmen, mit den Kindern Stressgefühle thematisieren und sie dabei unterstützen, Strategien zur Stressbewältigung kennenzulernen und anzuwenden.

Einige der Teams nehmen dieses Thema besonders in den Fokus: 

„Wir müssen uns selbst noch mehr entschleunigen und zur Ruhe zu kommen, damit diese Ruhe den Kindern gespiegelt wird. Es darf nicht so viel ‚nebenher‘ organisiert werden.“

Außerdem erkennen die pädagogischen Fachkräfte, dass Stressbewältigung eingeübt und trainiert werden kann. Dies müsste in den pädagogischen Alltag eingebaut werden. Ein einmaliger Impuls reicht nicht. Auch möchten sich viele Einrichtungen darum bemühen, mehr Rückzugsmöglichkeiten für Kleingruppen zu schaffen, z. B. für kleine Gruppengespräche oder um Musik zu hören. „Wir brauchen mehr Ruheräume, aber auch Bewegungsräume.“

Wie wichtig diese vertiefende Auseinandersetzung zu Resilienzentwicklung für die Teams war, zeigt sich in einigen Rückmeldungen: 

  • „Wir haben den Fragebogen als Möglichkeit genutzt, miteinander ins Gespräch zu kommen über die konkrete Alltagsgestaltung im Ganztag. Ich habe einen kleinen Eindruck bekommen, welche Strukturen, Themen und Schwierigkeiten es gibt und wo das Team Unterstützung für die Resilienzförderung der Schüler:innen braucht.“
  • „Ich habe gar nicht gemerkt, dass da noch einige Baustellen sind. Dies wurde jedoch in der Reflexion über den Fragebogen klar.“ 
  • „Es war schön zu sehen, was schon alles gemacht wird.“

Die Prozessbegleitung

Um konkrete Maßnahmen zu entwickeln, unterstützen Prozessbegleiter:innen die Einrichtungen bis Ende Oktober 2022. Der Ablauf und die Intensität können dabei ganz unterschiedlich gestaltet werden. In vielen Einrichtungen finden regelmäßig kurze Treffen kleiner Arbeitsgruppen statt, andere nutzen die Möglichkeit halb- oder ganztägiger Fortbildungen und arbeiten vertiefend am Thema. 

Zusätzlich zu den in der Ist-Stand-Analyse ermittelten Handlungsbedarfen formulierten die Teams während der Prozessbegleitungen weitere Themen wie z. B. „Konfliktlösung bei Kindern begleiten“, „Innere Präsenz des Personals“ und „Achtsamkeit im Team fördern“. 

Die Prozessbegleiter:innen unterstützen die Teams dabei, das Thema zu vertiefen und sich weiterzubilden. Außerdem entwickeln sie gemeinsam konkrete Umsetzungsideen und Handlungsansätze. So hat ein Hort Gelder beantragt, um Kindern Selbstwirksamkeit zu ermöglichen, indem die Kinder über ein eigenes Budget verfügen dürfen. Eine andere Einrichtung entwickelte Sommerferienangebote, um die Gruppenzusammengehörigkeit zu stärken, die während der letzten beiden Jahre gelitten hatte. Auch eine neu gegründete Resilienz-AG ist eine von vielen Ideen, das Thema aktiv anzugehen. 

Literatur

Rönnau-Böse, Maike/Fröhlich-Gildhoff, Klaus (2011): Präventionsprogramme für Kindertageseinrichtungen – Förderung von seelischer Gesundheit und Resilienz. In: Zander, Margherita: Handbuch Resilienzförderung. Wiesbaden 2011, S. 360–382.

Schuldt, Christian (2021): Zukunftsinstitut: Resilienz – Gewappnet für die Zeit der Krisen. Frankfurt.

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