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Sport als Ausgangspunkt für Beratung, Bildung und Berufsorientierung

Demokratiebildung und Teilhabe
5. lokaler „Willkommen im Fußball“-Cup des Nürnberger Bündnisses

© Fetene Tazeze


Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchtgeschichte stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Sie müssen sich in einem neuen Land orientieren, dessen (Aus-)Bildungs- und Sozialsysteme ihnen unbekannt sind – und dies in einer anderen Sprache als ihrer Muttersprache. Zudem beschäftigen nicht wenige von ihnen belastende Fragen rund um ihren Aufenthalt, die Perspektiven ihrer Familien oder ihre Wohnsituation.

Jugendliche wünschen sich für diese Phase kompetente Begleiter:innen, denen sie vertrauen können . Diese Eigenschaften sprechen viele junge Menschen am ehesten ihren Eltern zu – doch Eltern, die selbst nach Deutschland geflohen sind, verfügen in vielen Fällen noch nicht über die nötigen Erfahrungswerte und Sprachkenntnisse am neuen Lebensort. Darüber hinaus sind zahlreiche Jugendliche ohne Eltern oder andere Familienmitglieder in Deutschland angekommen.

Die Erfahrungen aus der Programmarbeit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) zeigen, dass junge Menschen mit Fluchtgeschichte diese Herausforderungen insbesondere dann erfolgreich meistern, wenn sie eine individuelle Beratung erhalten. Klassische Beratungsstellen können Informationen Jugendlichen vermitteln, haben aber in der Regel nicht Kapazitäten, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufzubauen: Denn nur so können junge Menschen – unter Berücksichtigung ihrer gesamten Lebenssituation – gemeinsam herausfinden, welche Unterstützung die passende ist. 

Zudem ist es häufig auch schwierig, von einer Beratungsstelle zur nächsten weitergeleitet zu werden, da die Zusammenarbeit der einzelnen Akteur:innen nicht immer gewährleistet ist. 

Bildungslandschaften rund um Sport


Seit 2015 bietet die DKJS mit den Programmen „Willkommen im Fußball“(2015 bis 2021) und fit nach vorn (seit 2022) Sport- und Bildungsangebote für junge Geflüchtete. Dabei unterstützt sie die Arbeit von lokalen Bildungslandschaften rund um Sport. Sport bietet einerseits Ablenkung von den Herausforderungen des Alltags, andererseits können durch ihn vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut werden.

Beide Programme ermöglichen jungen Geflüchteten bis 27 Jahren durch niedrigschwellige Angebote den Zugang zu Sport. So unterstützten sie – auch über den organisierten Sport hinaus – die Integration und das gesellschaftliche Miteinander. Sie setzen dabei auf Bündnisse, in denen die Kompetenzen und Perspektiven unterschiedlicher Akteur:innen zusammenkommen – also die Kooperation von Sportvereinen mit lokalen Bildungsträger:innen, bürgerschaftlichen Initiativen oder kommunalen Akteur:innen. 

Sport als Ausgangspunkt für Beratung und Bildung

Neben regelmäßigen Trainingseinheitenstellen die lokalen Bündnisse in „Willkommen im Fußball“ auch Kultur-, Bildungs-, Qualifizierungs- und Vernetzungsangebote bereit:

  • Ein Fußballtraining, bei dem die Kinder vor dem Training gemeinsam essen und Hausaufgabenhilfe oder Sprachkurse erhalten. Beim Training selbst wird der Spracherwerb gefördert.
  • Sportangebote für junge geflüchtete Mädchen und Frauen, bei denen sie sich in einem Safe Space körperlich betätigen können – weil sie z. B. in Fitnessstudios kein Kopftuch tragen dürfen und keinenZugang zum gesellschaftlichen Bereich „Sportverein“ finden (siehe hierzu die 11 Tipps aus „Willkommen im Fußball“)
  • Qualifizierungen für das Ehrenamt (Trainer:in, Schiedsrichter:in) im Sport, die speziell auf die Bedarfe von Geflüchteten zugeschnitten waren.

Das Nachfolgeprogramm fit nach vorn verknüpft Sportangebote mit Berufsorientierung. Nicht nur im Training, sondern auch bei Wochenend-Workshops und in Ferien-Camps erhalten junge Geflüchtete Informationen zu Wegen in Ausbildung, Studium und Berufsangeboten. Zudem stärken sie soziale und berufsbezogene Kompetenzen und verbessern ihr Selbstbewusstsein und Auftreten in Bewerbungssituationen.
 

Mit „Willkommen im Fußball“ begleitete die DKJS 23 Bündnisse in ganz Deutschland. fit nach vorn wird an 9 Standorten (Berlin, Bielefeld, Darmstadt, Dortmund, Leverkusen, Nürnberg, Paderborn, Stuttgart und Wolfsburg) umgesetzt:  Um sie beim Aufbau einer Bildungslandschaft rund um Sport zu beraten, werden sie nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch aktiv vor Ort begleitet.

Rund 90 Träger:innen sind und waren an den beiden Programmen beteiligt. Sie erreichten mit ihren Angeboten fast 1.000 Menschen wöchentlich. Seit 2015 hat die DKJS über 5.000 junge Geflüchtete beim Ankommen in Deutschland, ihrer individuellen Entwicklung und dem Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe (im Sport, im Ehrenamt, in Schule, Ausbildung und Beruf) unterstützt.

Angebote während der Pandemie

Sämtliche Angebote in „Willkommen im Fußball“ waren in Präsenz geplant und mussten mit dem Beginn der Corona-Pandemie ausgesetzt werden. Viele Standorte entwickelten digitale Alternativen. Schnell stellte sich heraus, dass junge Geflüchtete auch hierbei zusätzliche Herausforderungen überwinden müssen. So besaßen viele der Teilnehmer:innen nur Smartphones und mobiles Internet, was die Teilnahme an Videokonferenzen erschwerte oder unmöglich machte. Daher wurden ihnen Laptops zur Verfügung gestellt, die sie ausleihen konnten.

Auch die vertrauensvolle Beziehung zwischen Geflüchteten und Begleiter:innen litt. Einzelne Standorte versuchten daher, die Beratung wieder in Präsenz anzubieten, z. B. in 1:1-Gesprächen während des gemeinsamen Joggens im Wald. 

Handlungsempfehlungen

Wie sollten Akteur:innen in Bildungslandschaften rund um Sport zusammenarbeiten? Und welche Erwartungen dürfen sie auch an junge Geflüchtete stellen? Das haben Teilnehmer:innen des Programms „Willkommen im Fußball“ 2019 in einem dreiteiligen Workshop erarbeitet. Dabei entstanden Handlungsempfehlungen (PDF-Dokument), die sich an u. a. an Sportvereine, an die Soziale Arbeit und an Kommunen richten. 

So formulierten die jungen Geflüchteten, dass es eine bessere Kommunikation zwischen den verschiedenen Trägern braucht, damit die Übergänge zwischen den einzelnen Angeboten gelingen. Die Träger forderten eine selbstkritische Haltung gegenüber eigenen Rassismen und Vorurteilen ein. Diese und weitere im Rahmen des Programms herausgearbeitete Gelingensbedingungen wurden veröffentlicht und sind auf der Webseite der DKJS weiter abrufbar.

 

fit nach vorn ist ein Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, der Beauftragten der Bundesregierung für Antirassismus.
 

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