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So gelingt Jugendbeteiligung auf dem Land

Demokratiebildung und Teilhabe

Mehr Jugendbeteiligung ist eines der Ziele von AUF!leben. Gerade auf dem Land aber sind  professionelle Strukturen der Kinder- und Jugendarbeit rar. Klassische Instrumente wie Jugendgremien wecken oftmals nur wenig Interesse. Doch genau darin liegt eine große Chance, zu vielfältigen Projekten zu kommen, auf die junge Menschen wirklich Lust haben, sagt Edda Laux, Programmleiterin von Hoch vom Sofa! und verantwortlich für die Themen „Demokratiebildung und Teilhabe“ bei AUF!leben im Interview. 

 

Wann und wie entsteht Beteiligung für junge Menschen auf dem Land?
Edda Laux: In vielen deutschen Bundesländern ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Entscheidungen auf Landes-, Kreis- oder Gemeindeebene sogar gesetzlich verankert. Kleine Gemeinden jedoch stehen hier oft vor der Frage, wie sie das umsetzen sollen. Wo sich nur wenige Jugendliche für politische Ämter interessieren, ist ein politisches Jugendgremium oft nicht zielführend. Wir haben aber schon viele Gemeinden dabei begleitet, Lösungen zu finden, die besser passen. Das kann eine Jugendredaktion für das Amtsblatt sein oder ein Jugendstammtisch, zu denen die Gemeinderatsmitglieder einladen. Erfolgreich sind auch Kinder- und Jugendprojektefonds, über deren Vergabe die jungen Menschen selbst bestimmen. 

Welche Rolle spielt dabei ehrenamtliches Engagement?
Dem ehrenamtlichen Engagement kommt in ländlichen Räumen eine ganz besondere Bedeutung zu. Es ist der soziale Kitt. Wer im Dorf oder der Kleinstadt lebt und sich als Teil der Gemeinschaft versteht, engagiert sich, meist in einem Traditionsverein wie der Feuerwehr oder dem Fußballverein. Viele Traditionsvereine übersehen aber, dass ihre Angebote zwar für Kinder noch spannend sein mögen, für Jugendliche aber zunehmend unattraktiv werden. Jugendliche engagieren sich lieber kurzfristig, wollen im Engagement auch Freundschaften pflegen und persönlich einen Nutzen daraus ziehen. Darum sind etwa Sportvereine, die Trendsportarten wie Downhill anbieten, wesentlich jünger als jene, die sich neuen Sportarten verschließen. Andererseits können Jugendliche, die sich engagieren, für ihre Projekte in den ländlichen Regionen oft auf ein sehr erfahrenes und zuverlässiges Netzwerk zurückgreifen. Insofern es also jungen Menschen gelingt, Erwachsene in der Gemeinde von ihrem Vorhaben zu überzeugen, ist die größte Hürde für eigenes Engagement genommen.

Welche Strukturen sind besonders hilfreich in Hinblick auf mögliche Kooperationsprojekte mit Kindern und Jugendlichen in ländlichen Räumen?
Wir haben schon sehr fruchtbare Kooperationen innerhalb unterschiedlicher professioneller Strukturen erlebt. In einem Fall haben sich eine Schuldirektorin, eine Schulsozialarbeiterin, ein Träger der freien Jugendhilfe und der Bürgermeister gemeinsam dafür eingesetzt, dass Jugendliche einen Skateplatz nach ihren Wünschen wieder nutzbar machen konnten. Erfahrungsgemäß sind also die Gemeinde selbst, oft in Person der  Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters, sowie besonders aktive und jugendaffine Vereine gute Partnerinnen und Partner für Kooperationsprojekte. 

Nirgendwo ist Demokratie so unmittelbar erfahrbar wie auf dem Land.

Welche Chancen und Herausforderungen hat Demokratiebildung in ländlichen Räumen?
Einerseits herrscht auf dem Land Handlungsbedarf, demokratische Strukturen zu stärken, Jugendlichen positive Demokratieerfahrungen zu vermitteln und antidemokratischen Tendenzen entgegenzuwirken. Andererseits ist nirgendwo Demokratie so unmittelbar erfahrbar wie auf dem Land. Wenn der Ortsvorstand Kinder und Jugendliche im Fußball trainiert, die Bürgermeisterin auch den Dorfladen betreibt und der Onkel beim Planungsamt angestellt ist, werden administrative Zusammenhänge und politische Entscheidungsfindungen im Alltag erfahrbar. Auf dem Land weiß man, wer die Restaurierung des Brunnens am Markt möglich gemacht hat und an wen man sich wenden kann, wenn ein Jugendprojekt Unterstützung braucht. Mitbestimmung und Meinungsbildung findet dann verstärkt auf der Beziehungsebene statt. Das heißt also, dass die Qualität der gelebten demokratischen Kultur auf dem Land stark von den engagierten Personen in Vereinen, Gemeinderat, Bürgermeisteramt und Verwaltung abhängig ist und politische Bildung im informellen Bereich stattfindet. Und genau hier können Stiftungen wie die DKJS ansetzen, unterstützen und stärken.

 

Dies ist eine verkürzte Fassung des Interviews Wie Jugendbeteiligung auf dem Land gelingen kann", das auf der Seite von Openion erschien.

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