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Projekt

Coding & Robotik für alle

Das Bild zeigt zwei Mädchen an einem Tisch, die gemeinsam an einem Laptop arbeiten. Sie sind von hinten zu sehen. Ein Mädchen mit langen schwarzen Haaren und einem schwarzen Pullover tippt etwas auf einer Tastatur. Das zweite Mädchen hat halblange braune Haare und trägt einen orangefarbenen Kapuzenpullover. Sie schaut zu und zeigt etwas mit ihren Händen. Im Hintergrund stehen zwei weitere Laptops auf dem Tisch. Es sind Kinderhände zu sehen, die an diesen Laptops arbeiten.

© DKJS

MIT!machenProjekte

Corona hat einmal mehr gezeigt: Vielen jungen Menschen fehlt es an digitalen Kompetenzen. Die techeroes gGmbH in Bad Vilbel hat eine mehrfach ausgezeichnete Methode entwickelt, digitale Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen zu fördern. AUF!leben ermöglicht nun Workshops und Hackathons für rund 1.000 Kinder und Jugendliche zusätzlich.

Projektstart

  • 04.12.2021
  • Bad Vilbel
  • techeroes gGmbH i.G.
  • 960 Teilnehmer:innen
  • 6 bis 16 Jahre
Kategorie: Kompakt – Vor Ort

Von „Das habe ich noch nie gemacht“ zum programmierfähigen App-Konzept in nur einem einzigen Tag: Am meisten überrascht ist Agní (15) auf ihrem ersten Hackathon von sich selbst. In Bad Vilbel wetteifert sie zusammen mit den anderen Jugendlichen ihrer neunten Klasse um die besten Ideen, Menschen für ein nachhaltigeres Leben zu begeistern. Der Vorschlag von Agní und ihren Freund:innen: eine App namens „Fashion Focus“, welche über einen QR-Code die Lieferkette von  Kleidungsstücken transparent macht. „Am besten gefallen hat mir, eine eigene Idee zu entwickeln und dass man auch schon in unserem Alter etwas machen kann, das sich umsetzen lässt“, sagt Agní am Ende des Tages.

 

148 Zeilen Programmiercode haben die Mädchen für die Website zur App "Fashion Focus" erstellt.

Ein Workshop wie ein Computerspiel

Hinter ihrem ersten Hackathon steckt die techeroes gGmbH aus Bad Vilbel. In der gemeinnützigen außerschulischen Bildungseinrichtung lernen bereits Kinder ab sechs Jahren Fähigkeiten im Programmieren, Coden und der Robotik. Die Workshops funktionieren methodisch wie ein Computerspiel: Jeder Hackathon versucht, eine Problemstellung aus dem echten Leben zu lösen – mit den Teilnehmenden als Held:innen, die ihre Fähigkeiten entdecken und fördern, um am Ende aus der Challenge erfolgreich hervorzugehen.

 

Ein konkretes Problem wird zur Projektidee

Dafür lädt techeroes zum Beispiel Menschen aus Start-Ups, sozialen Organisationen und großen Konzernen ein. Sie berichten, woran sie arbeiten, welche Herausforderungen sie bewältigen und wie Technik dabei unterstützen kann. Ein besonderer Fokus liegt auf Vielfalt, unternehmerischem Handeln, Klimawandel und Nachhaltigkeit. Beim Hackathon ist daher auch Bella dabei. Sie hat ein Unternehmen mit aufgebaut, das Bademode und Leggings aus Plastikmüll produziert. Beiläufig erwähnt sie, dass sie selbst die Lieferketten ihrer Waren zwar bis ins kleinste Detail kennt – sie ihren Kundinnen und Kunden aber nicht zeigen kann. „Das finde ich schade.“ Agní und ein paar ihrer Freundinnen schauen sich an: Vielleicht können wir hier etwas tun? Aber können wir das denn schaffen? Programmiert hat bislang keine von ihnen.

 

Ob junge Menschen coden wollen, hängt von ihrer Lebenswelt ab

© DKJS

Einfach mal loslegen, sich selbst etwas zutrauen, Berührungsängsten begegnen: Darum geht es Adriane Castrinakis, die bei techeroes die Hackathons organisiert. Hauptberuflich ist sie Lehrerin an einer Gesamtschule und dort zuständig für die Berufsorientierung. Corona habe die Tendenz, die digitale Spaltung zu verstärken, sagt sie. „Ob sich Kinder und Jugendliche mit dem Coden oder mit Robotik beschäftigen, hängt wesentlich von ihren Lebenswelten ab.“ Gerade die Lebenswelten von Mädchen oder Kindern aus Geflüchtetenunterkünften seien normalerweise wenig technologisch geprägt. Neue Erfahrungen durch Workshops, Praktika und Berufsmessen fielen bedingt durch die Pandemie in den vergangenen Monaten weg.

 

„Am besten gefallen hat mir, eine eigene Idee zu entwickeln und dass man auch schon in unserem Alter etwas machen kann, das sich umsetzen lässt.“

Agni, 15, Teilnehmerin am Hackathon.

 

Das Format spricht viele an

Deshalb hat sich techeroes bei AUF!leben beworben. 19 zusätzliche Workshops und Hackathons will die Einrichtung anbieten, für insgesamt noch einmal rund 1.000 Kinder und Jugendliche aus Bad Vilbel und Umgebung. Eng arbeitet die Einrichtung mit Schulen und Jugendzentren zusammen, gerade dort, wo Kinder oft von Armut und beengten Wohnverhältnissen betroffen sind – und wo hinter den Einrichtungen keine finanzstarken Fördervereine stehen. Besonders stolz ist techeroes darauf, dass einige der Geflüchteten, die vor Jahren mit den Workshops begonnen haben, heute als Mentor:innen andere Kinder und Jugendliche begleiten. „Das macht es uns noch einmal leichter, Kinder in den Gemeinschaftsunterkünften besser zu erreichen“, sagt Adriane Castrinakis.

 

Digitale Kompetenzen: viel mehr als Programmieren

© DKJS

Wie wichtig die vertraute Gruppe ist, zeigt sich auch bei Agní und ihren Freundinnen. So bunt die Räume von techeroes gestrichen sind und so fröhlich die Bilder an den Wänden: Mit ihren Kabeln, Bildschirmen und Tastaturen weichen die Räume deutlich ab von den Orten, an denen sich die Mädchen sonst treffen, um Zeit miteinander zu verbringen. Doch in der Kleingruppe verfliegt das Fremdeln schnell – auch, weil zunächst ganz klassisch Papier und Stifte zum Einsatz kommen. Die Mädchen notieren ihre Ideen zu „Fashion Focus“: Was muss die App können? Wie soll das Ergebnis präsentiert werden, als Bild oder als Grafik?

 

Wo kommen Daten her? Was braucht ein gutes Konzept?

Dann geht es an die Recherche im Internet: Welche Datensätze zu Lieferketten brauchen wir? Welche sind frei verfügbar? Wo müssten wir die Modeunternehmen ins Boot holen? Quellen finden und bewerten: Auch das seien wichtige digitale Kompetenzen, sagt Adriane Castrinakis, die als Mentorin die Mädchengruppe betreut. Zwischendurch gibt es Inputs im Plenum: Was macht ein gutes Konzept aus? Wie bewege ich mich sicher in der digitalen Welt? Mit welchen Tools kann ich programmieren, auch wenn ich keine Programmiersprache beherrsche? „Kinder und Jugendliche erwerben solche Kompetenzen nicht allein deshalb, weil sie ein Smartphone besitzen oder TikTok nutzen“, sagt techeoroes-Gründer Rinku Sharma. „Je früher wir die Faszination für Technik und Robotik wecken, desto gerechter wird digitale Bildung.“

 

Am Ende sind fast alle Ideen umgesetzt

Sechs Stunden nach Beginn des Hackathons haben die Mädchen für die App „Fashion Focus“ ein komplettes Konzept geschrieben und eine Website erstellt – 148 Zeilen Code mit Bootstrap, einer offenen Software für die Websiteentwicklung. Im Plenum gibt es dafür Applaus und den ersten Platz im Hackathon. Agní ist noch auf etwas anderes stolz: „Wir haben fast alle Ideen umgesetzt, die wir in der Gruppe gesammelt haben.“  Die Mädchen wünschen sich nun, dass die App wirklich programmiert werden kann. Die Chancen stehen gut. Techeroes hat bereits eine Stiftung gefunden, die das Projekt unterstützen will. 

 

1 Stiftung will die Umsetzung der App unterstützen

Projektende

  • 26.06.2022
  • Bad Vilbel

„Je früher wir die Faszination für Technik und Robotik wecken, desto gerechter wird digitale Bildung.“

Rinku Sharma, Gründer der techeroes gGmbH

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