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Projekt

Fitnessparcours im Taunus

Nutzung des Fitness-Parcours in Kelkheim

© DKJS/ Valentum Kommunikation

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Einen 700 Meter langen, mit Rindenmulch gepflasterten Jogging-Rundweg, eine 100 Quadratmeter große Fläche für Calisthenic-Geräte und weitere Sportmöglichkeiten haben rund 15 Jugendliche mit viel Muskelkraft, Fleiß, Durchhaltevermögen und vor allem Teamwork auf dem Gelände ihrer therapeutischen Einrichtung für Suchtkranke im Taunus geschaffen. 

Projektstart

  • 1. Mai 2022
  • Kelkheim
  • Jugendberatung und Jugendhilfe e.V.
  • 15 Jugendliche waren am Bau beteiligt
Kategorie: Flex

Sicherheit durch Sport schaffen – auch in schweren Phasen

„Was halt auch auffällt, ist, dass ziemlich viele Menschen, die hierherkommen, auch Interesse am Sport haben, das aber aufgrund der Drogen sehr vernachlässigt haben“, erzählt Tim, einer der vier Hauptverantwortlichen für Planung und Umsetzung des Projekts, wie es zur Idee kam, einen Fitnessparcours auf dem Gelände zu bauen, und ergänzt: „Generell ist es halt bei vielen so: Wenn es mir nicht gut geht, mache ich gerne Sport, weil es mich ablenkt und mich auf andere Gedanken bringt.“ Die Jugendlichen starten ihre Therapiezeit zur Bewältigung ihrer Drogenprobleme mit der sogenannten Orientierungsphase. Währenddessen dürfen sie das Einrichtungsgelände nicht verlassen. Zwar gibt es einen hausinternen Fitnessraum, aber „der fängt leider innerhalb kürzester Zeit an ein bisschen zu riechen, wenn da so viele drin sind und schwitzen“, verrät Marius schmunzelnd. Darüber hinaus gab es auf dem Gelände bislang keine richtigen weiteren Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten, denn trotz seiner Weitläufigkeit war es größtenteils stark verwuchert. Gerade auch während der pandemiebedingten Einschränkungen hat sich das nochmal verschärft: „Da war man isoliert und dann kommt man hierher und ist dann weiter isoliert und dann kommt man auch mal auf Abbruchgedanken“, schildert Nikita die Situation von Neuankömmlingen in der Einrichtung. Die Option an der frischen Luft und auch mal alleine trainieren zu können, habe nochmal eine ganz andere Gewichtung für die Jugendlichen und hilft mit Krisen umzugehen, bestätigt auch Betreuer Michael Maiwald vom Einrichtungsträger Jugendberatung und Jugendhilfe e. V.. Damit war die Idee zum Bau eines Outdoor-Fitness-Parcours geboren. 

700 Meter ist der Fitnessparcours lang
30 Kubikmeter Altholz schredderten die Jugendlichen, um den Weg zu befüllen.

Mit den Herausforderungen wachsen

Spaziergang am Fitness-Parcour

© DKJS/ Valentum Kommunikation

Doch bis zum Start der Bauphase gab es noch einige Hürden zu meistern: Die Abnahme der Pläne von der Denkmalschutzbehörde, ohne die kein Spatenstich möglich gewesen wäre, der Bau während der Ferienzeit, wo auch viele der unterstützenden Therapeuten in Urlaub waren und schließlich die Schulterverletzung eines Hausmeisters, der eigentlich als gelernter Schreiner für einen Großteil der anfallenden Arbeiten eingeplant war. „Planung und Umsetzung sind schon zwei verschiedene Paar Stiefel. Aber das zeigt auch wieder: Solche Projekte stehen und fallen mit den Gegebenheiten vor Ort.“, blickt Michael Maiwald zurück. Aber alle Hindernisse konnten überwunden werden: Die Genehmigungen trudelten nach und nach ein, Herr Bischof aus dem Hausmeister-Team nahm sich dem Projekt an und wurde zur zentralen Stütze und aus dem angrenzenden Dorf kam Unterstützung in Sachen Garten- und Landschaftsbau. Nicht zuletzt dank der finanziellen Mittel durch AUF!leben sowie der Beratung durch eine Projektkoordinatorin stand einer erfolgreichen Verwirklichung nichts mehr im Wege. Und die hatte es in sich…

Richtig viel Eigenarbeit, Teamgeist und Riesen-Motivation

„Das war schon irre, das zu sehen“, schwärmt Michael Maiwald, wenn es um den Verlauf und die Motivation der Jugendlichen im Bauprozess geht. Kaum waren die offiziellen Hürden genommen, ging es mit Vollgas in die Umsetzung. „Es haben sich dann auch 10 bis 15 Jugendliche täglich eingefunden, die dann aktiv mitgearbeitet haben. Die Absprache hat tatsächlich auch sehr gut funktioniert und wir sind in den sieben Wochen dann auch echt schnell fertig geworden“, erzählt Jonas stolz. Die anstrengendsten Arbeiten waren gleichzeitig auch die, die am meisten Spaß gemacht haben, sind sich alle einig. So wurde zum Beispiel extra ein Häcksler angeschafft, um das viele Altholz aus der Rodung der Flächen – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – wiederzuverwerten und den Jogging-Rundweg damit auszulegen. Ganz nebenbei wurden damit sogar noch Kosten gespart. Eine Rüttelplatte für die Begradigung der Flächen war ebenfalls im Einsatz und hat an der ein oder anderen Stelle für Muskelkater gesorgt. 
Teamarbeit, Zusammenhalt und Motivation waren in der Bauphase überall greifbar, das wird schnell klar, wenn man den Jugendlichen zuhört. „Ich bin sehr stolz auf die Truppe, auf die Leute, dass da wirklich so viel Verlass war. Ich war mir am Anfang unsicher, ob das wirklich so in dem zeitlichen Rahmen passiert, ob dann alle mitarbeiten und so. Ich hatte da ein bisschen meine Zweifel gehabt. Aber nach ein paar Wochen war ich dann echt positiv überrascht. Der Verlauf ging steil nach oben“, so Jonas und auch Marius blickt positiv auf die Erfahrungen zurück: „Wir konnten uns immer gegenseitig auf uns verlassen.“ 

 Es hat mir persönlich gezeigt, dass es sich schon aktiv auf das Gruppenleben auswirkt. Ich für meinen Teil kann behaupten, dass ich sehr große Motivation hatte, dabei zu sein. Und was jetzt auch draus geworden ist, find ich schon bemerkenswert auf jeden Fall.

Jonas, Jugendlicher und einer der Hauptverantwortlichen für den Parcours

Generell ist es halt zumindest bei mir auch so: Wenn es mir nicht gut geht, mache ich gerne Sport, weil mich das dann ablenkt und mich auf andere Gedanken bringt. Ja und das war auch so unser Hintergrund für das Projekt.

Tim, Jugendlicher und einer der Hauptvorantwortlichen für das Projekt

Anreize für die Zukunft

Auch aus Sicht der Betreuer:innen hat sich das Projekt nur förderlich auf die Entwicklung der Jugendlichen ausgewirkt. Bei vielen haben sich echte Führungspersönlichkeiten und -qualitäten gezeigt. Der Fitnessparcours ist bereits jetzt ein unverzichtbarer Anlaufpunkt auf dem Gelände geworden, berichten die Jugendlichen: „Die ganze Gruppe ist begeistert davon, was wir da jetzt hingelegt haben. Es wird sehr viel genutzt“, freut sich Nikita zum Abschluss des Projekts. Zur feierlichen Eröffnung von Laufstrecke und Calisthenic-Geräte konnte man sogar einen Personal Coach und Ninja Warrior Teilnehmer gewinnen, der den Jugendlichen auch zeigen kann: „Wer trainiert, kann auch etwas erreichen.“ Die nächsten Projekte zur Ergänzung des Parcours stehen ebenso bereits in den Startlöchern: eine Slackline und selbst gebaute Fitnessgeräte wie Hanteln aus Holz. 

Projektende

  • 31. August 2022
  • Kelkheim

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