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Themenprojekt

Filmprojekt Rassismus

Filmprojekt Rassismus

© Valentum Kommunikation

Projekte

Mehr als nur Filmwissen gab es bei einem zehntägigen Workshop im ABC Bildungs- und Tagungszentrum in Drochtersen. Das Angebot richtete sich speziell an junge Menschen mit eigener oder familiärer Migrationserfahrung. So entstand ein Safe Space für Selbsterfahrung und ein neues Netzwerk.

Projektstart

  • 15. Juli 2022
  • Drochtersen
  • ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V.
  • 30 Teilnehmende zwischen 16 und 26 Jahren
Themenschwerpunkt: Demokratiebildung und Teilhabe

Film als Mittel für Aktivismus

Filmprojekt Rassismus

© Valentum Kommunikation

Mehrere junge Menschen, in Decken eingewickelt, auf gemütlichen Stühlen und Sesseln, im Halbkreis um einen Fernsehmonitor angeordnet: Dieser Anblick bot sich beim regelmäßigen Screening eigener Filmwerke der Teilnehmenden an einem Workshop, den Minority.Point gemeinsam mit dem ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V. entwickelte. 

Hinter Minority.Point verbirgt sich ein virtueller Treffpunkt in Buxtehude, der junge Menschen mit Migrationshintergrund in den Mittelpunkt stellt und sich gegen Rassismus und Diskriminierung engagiert. Dementsprechend war auch der Workshop ausgerichtet: „Bei diesem Filmprojekt hatten wir die Idee, einen Safe Space für Menschen mit Migrationsgeschichte zu kreieren, uns war das wichtig“, erzählt Kira Emily, die Minority.Point zusammen mit zwei Freundinnen in 2021 gegründet hat. Olesya Orlova vom Projektträger ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V. ergänzt: „Das Ziel war es nicht nur, Film zu machen, sondern sich auch mit Strategien von Aktivismus vertraut zu machen, zu gucken, wie man sich vernetzen kann. Im Alltag gibt es nicht so viele Freiräume dafür.“ Mit Hilfe von AUF!leben nahm die Projektidee Schritt für Schritt Gestalt an und die Teilnahme war dank der Förderung offen für alle Interessierten, unabhängig von den persönlichen finanziellen Mitteln. 

Einzigartige Geschichten und weitreichende Wertschätzung

Der Aufbau des Workshops bestand aus zwei verschiedenen Arbeitsbereichen, die sich gegenseitig ergänzt haben. „Wir haben unterschiedliche Methoden der politischen Bildung eingesetzt, die uns ein bisschen Bewusstsein in unsere gesellschaftliche Positionierung bringen konnten“, so Dr. Alexis Rodríguez Suárez, der zusammen mit dem visuellen Künstler Humad Nisar die Seminarleitung bildete. Die Teilnehmenden setzten sich auf verschiedene Weise mit ihren Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen auseinander und hatten im audiovisuellen Labor die Möglichkeit, ihre persönliche Geschichte auf ihre eigene Art aufzubereiten. „Jede Geschichte hier ist etwas, das nicht den Mainstream erzählt. Jede Geschichte hier ist unterschiedlich und außerhalb der Norm“, beschreibt Nisar das Ergebnis. Das bestätigt auch Rodríguez Suárez und ist begeistert von der Qualität der Ergebnisse: „Es ist richtig beeindruckend, was sie gemacht haben.“ 
 

30 junge Lebensgeschichten werden zu Filmstoff
Filmprojekt Rassismus

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Im Projekt geht es auch um die Diskriminierungs- und Rassismuserfahrungen der Teilnehmenden. Das Medium Film bietet eine Schutzmöglichkeit. Man kann fiktiv arbeiten, man muss sich nicht unbedingt zeigen. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, wie ich meine Geschichte erzähle. Für mich und für die anderen. Olesya Orlova, ABC Bildungs- und Tagungszentrum e.V. 

Die Grundlage bildete täglich neuer Input von Seiten der Seminarleitung, der zusammen betrachtet und diskutiert wurde. Darauf aufbauend bearbeiteten die jungen Menschen selbstständig mehrere Aufgabenstellungen und brachten sich selbst und ihre Erfahrungen dabei künstlerisch zum Ausdruck. Am Ende stand zudem ein gemeinsamer Abschlussfilm. Bei regelmäßigen Screenings betrachtete die Gruppe dann gemeinsam die Werke der Jugendlichen. Diese wurden stets mit überschwänglichem Applaus und positiven Rückmeldungen bedacht. „Es ist sehr auf gegenseitiger Wertschätzung und gegenseitigem Respekt basiert. Das ist, finde ich, wirklich sehr schön und auch sehr wichtig in so einem Workshop“, beschreibt Teilnehmerin Amina die Atmosphäre.

Mehr Ausdrucksmöglichkeiten, weniger Hemmung

Filmprojekt Rassismus

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Um möglichst viel Nähe zum Lebensalltag der jungen Menschen herzustellen und über den Workshop hinaus die Nutzung von Film als Ausdrucksmittel zu fördern, war auch das passende technische Vorgehen ein wichtiger Punkt bei der Durchführung des Workshops. „Sie haben ganz viel am Handy geschnitten, weil sie mit dem Handy einfach klarkommen. Es geht ja auch darum, dass sie das Wissen weiter nutzen. Es macht keinen Sinn, ihnen etwas beizubringen mit Equipment, das sie nicht zuhause haben“, erläutert Seminarleiter Rodríguez Suárez. 

10 Tage vertraulicher Austausch und neue Lernerfahrungen
Filmprojekt Rassismus

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Ich bin schon länger filminteressiert, aber ich finde, es ist schon sehr schwer, da einen Anfang zu finden. Natürlich ist es jetzt viel einfacher da reinzukommen als es vielleicht vor zehn oder 20 Jahren war, aber irgendwie ist es trotzdem so eine Hürde, bei der man nicht genau weiß, wo und wie fang‘ ich an. Genau das hat der Workshop hier mir gezeigt, das Wo und Wie. 

Amina Balajo, Teilnehmerin, 24 Jahre

 

Tatsächlich nahm diese Herangehensweise den Teilnehmenden eine gewisse Hemmschwelle. Das bestätigt Kira Emily, deren bevorzugte künstlerische Ausdrucksform bisher eher das Schreiben und Malen war: „Ich habe eine neue Art von kreativer Verarbeitung kennenlernen dürfen, das ist sehr toll. Und wie man das auch mit sehr einfachen Mitteln machen kann. Einem wurde sehr die Angst genommen, auch mit wenigen Mitteln filmisch zu arbeiten.“ Dem stimmt auch Amina zu: „Irgendwie war es trotzdem so eine Hürde, bei der man nicht genau weiß, wo und wie fang‘ ich an. Genau das hat der Workshop hier mir gezeigt, das Wo und Wie.“

Von Selbsterfahrung und Gemeinschaftsgefühl

Filmprojekt Rassismus

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Die rein technischen Aspekte bildeten nur eine Seite des Projekts.  Bei diesem Workshop ging es für alle Beteiligten um mehr als Filmbildung und -gestaltung oder den Umgang mit professionellem Mitteln. Es ging um Selbsterfahrung und um ein Gefühl der Verbundenheit untereinander. Darum sich zu öffnen und voneinander zu lernen. Es ging um neue Freundschaften und darum, dass jede Geschichte wertvoll ist. „Ich habe gedacht, das ist ein Film-Workshop, ich komme hierher und lerne ein bisschen was. Und ja, das ist es auf jeden Fall. Aber es ist hald wirklich sehr viel mehr. Ich habe hier Leute kennengelernt, von denen ich hoffe, dass sie noch eine ganze Weile in meinem Leben bleiben. Ich habe hier sehr viele Erfahrungen gemacht und Realisationen über mich selber, wie es mir geht, was prägend ist. Das hier ist wirklich ein Workshop, der einem sehr viel mehr gibt als nur Filmwissen.“ 

Filmprojekt Rassismus

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Wie Amina erging es laut eigener Aussage den meisten der jungen Menschen, was auch Kira Emily sehr zufrieden stimmt und ein positives Fazit ziehen lässt: „Ich glaube, dieses Projekt hat viel Potential zum Verbinden von Menschen mit ähnlichen Geschichten und darüber zu reflektieren. Es ist echt toll. Ich würde es gerne nochmal machen.“

Projektende

  • 24. Juli 2022
  • Drochtersen

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