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Resilienz als Antwort auf die Corona-Krise: Was Fachkräfte jetzt berücksichtigen sollten

Graphic Recording Perspektivdialog Resilienzförderung

© DKJS/Marie Hübner & Heike Haas

Woran bemerken pädagogische Fachkräfte, dass Kinder in der Corona-Krise mit psychischen Folgen zu kämpfen haben? Wie öffnen wir Kindern auch im Pandemie-Alltag ausreichend Raum für Bindung, Zugehörigkeit und gute emotionale Erfahrungen? Wie sorgen wir bei alldem auch für uns selbst und unsere Teams? Seit Ausbruch der Corona-Pandemie beschäftigen sich zunehmend mehr Fachkräfte aus Kitas, Grundschulen und Jugendeinrichtungen mit der Resilienzförderung. Sie soll die Fähigkeit von Menschen weiterentwickeln, Krisen nicht nur zu überstehen, sondern gestärkt und gewachsen aus ihnen hervorzugehen.

Spaß am Lernen und am Miteinander vermitteln


Rund 160 Fachkräfte aus allen Teilen Deutschlands trafen sich daher am 7. Dezember 2021 virtuell zum ersten AUF!leben-Perspektivdialog „Kinder stärken – Resilienzförderung im Kita- und Grundschulalter. Die Veranstaltung fasste den Stand und die Herausforderungen der Resilienzförderung unter Pandemiebedingungen zusammen – und bot Raum für den Austausch von Praxiserfahrungen. „Gerade jetzt sind Kitas und Schulen wichtige Lern- und Lebensorte, weil wir nun anders als erwartet doch nicht nach der Krise zusammenkommen, sondern mitten in ihr“, sagte Anne Rolvering, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in ihrer Begrüßung zum Perspektivdialog. „Es liegt an uns, die Kinder gut durch die Zeit zu begleiten und ihnen wieder Spaß am Lernen und am Miteinander zu vermitteln.“ 

Nur: Wie kann das gelingen? Im Austausch wurde klar: Auch die Fachkräfte stehen bei der Resilienzförderung vor vielfältigen Fragen und Herausforderungen. Viele Kinder haben während der Lockdown-Phasen Gewalt und Konflikte erlebt und zeigen nun in sozialen Gruppen herausforderndes Verhalten. In Kitas und Schulen sind Ruheräume verloren gegangen, weil Gruppen und Klassen verkleinert und auf alle Räume aufgeteilt worden sind. Manche Einrichtungen leiden wegen Quarantäneregeln und Langzeiterschöpfung noch stärker an Personalmangel als vor der Krise schon. Viele berichten zudem: Das Aufholen schulischer Lücken hat in der Praxis vielfach deutlich mehr Gewicht als der Ausgleich emotionaler und sozialer Folgen der Pandemie. „Resilienz heißt, sich auch unter solchen Bedingungen noch so kleine Handlungsspielräume zu erhalten und nach Wegen zu suchen, die Situation ein Stück weit mitzugestalten“, sagte Anne Kuhnert vom Institut für digitale Pädagogik (InDiPaed) in ihrem Impuls über die wissenschaftlichen Grundlagen der Resilienzforschung und -förderung. 

Jedes fünfte Kind erlebt Chaos und Konflikte


Neun Themenvertiefungen beleuchteten anschließend die Erkenntnisse  aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Arbeit mit Kindern im Kita- und Grundschulalter. So stellten etwa Dr. Alexandra Lattmeyer vom Deutschen Jugendinstitut e.V. und Erziehungswissenschaftlerin Dr. Katrin Lattner von der Universität Leipzig aktuelle Studienergebnisse vor. Bei weitem nicht alle Kinder und Jugendlichen haben demnach psychische Folgen davongetragen, viele aber schon – vor allem dort, wo sich auch die Eltern belastet fühlen. Chaos und Konflikte gehören für mehr als ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen häufig oder sehr häufig zum Corona-Alltag. 47 Prozent sagen: Das Familienklima hat sich verschlechtert. Ein Viertel der Eltern gab im ersten Lockdown an: Mein Kind ist einsam.

Resilienz ist kontextabhängig und beeinflussbar

Resilienzförderung heißt hier: Mögen die Auswirkungen der Pandemie höchst individuell sein – jedes Kind trägt prinzipiell die Anlage in sich, mit Krisen und Stress fertigwerden zu können. Wie diese Anlage gefördert werden kann, stellten Expert:innen aus der Perspektive von Ganztag,  Kinderschutz oder Traumatherapie vor. So arbeitet das Caritas Therapiezentrum für Menschen nach Folter und Flucht in Köln mit belasteten Familien nach dem Prinzip der „4B“: Bindung, Bildung, Bewusstsein für die Selbstwirksamkeit und Bausteine guter Erinnerungen. Sylvia Mihan vom DKJS-Programm Resilienz im Ganztag sagte: Die Räume für Beteiligung sind durch die Verordnungen und Allgemeinverfügungen zwar unstrittig kleiner geworden. „Häufig hilft aber schon, sich konsequent zu fragen, was trotzdem geht.“ 

Sehr konkret wurden die Themenvertiefungen zu Methoden wie der „Schatzsuche“ (Hamburgische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V.), bei der Eltern und Bezugspersonen gemeinsam nach Schutzfaktoren suchen, oder „Happy Panda“, einem systematischen Achtsamkeitstraining für Kinder in Kitas und Grundschulen. Gerade hier nutzten die Teilnehmenden den Austausch, um eigene Erfahrungen und Ansätze aus ihrer konkreten Praxis weiterzugeben. Sie sprachen sich etwa den Mut zu, pädagogische Konzepte im Einzelfall auch mal hintenanzustellen, um emotional auf die Bedürfnisse eines Kindes eingehen zu können.  

Besser umgehen mit der Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Zu guter Letzt bot Dr. Martina Aßmann vom MBSR-MBCT-Verband konkrete Übungen an, Achtsamkeit im eigenen beruflichen Alltag zu verankern. Denn eines steht fest: Auch die kommenden Monate werden herausfordernd – für Kinder, Familien und Fachpersonal. Wie stehe ich authentisch zu meinen Gefühlen, ohne die Kinder damit zu überfordern? Wie räume ich mir trotz dünner Personaldecke das Recht auf Pausen oder mein eigenes Tempo ein? Wie söhne ich mich mit meinem schlechten Gewissen aus, weil ich unter meinen eigenen Erwartungen geblieben bin? All das beschäftigt die Fachkräfte in diesen Tagen. Dr. Martina Aßmann: „Achtsamkeit heißt, wahr- und anzunehmen was ist. Und einen Umgang zu finden, der weniger belastet.“   

 

INsight – Einblicke in den 1. Perspektivdialog 

 

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