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INsight – Jugendbeteiligung trotz Pandemie

Das Bild ist eine Zeichnung aus den Workshops auf violettem Grund. Es fasst stichpunktartig die Ergebnisse der Workshops aus dem Aufleben-Perspektivdialog zusammen: Vielfalt digitaler Tools, Chancen von Beteiliugung auf dem Land oder Bewusstsein für die eigene Haltung im Umgang mit jungen Menschen.

© DKJS/MJ

Jugendbeteiligung ist gesetzliche Pflicht, vielerorts jedoch seit zwei Jahren faktisch ausgesetzt. Wie es anders geht, zeigt der zweite AUF!leben-Perspektivdialog. 

Jugendbeteiligung trotz Corona: Das Thema treibt seit bald zwei Jahren viele Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendarbeit um. Tagtäglich navigieren sie zwischen dem rechtlichen Anspruch junger Menschen auf Partizipation, dem fachlichen Anspruch an sich selbst – und der Realität der Maßnahmen aus den Corona-Eindämmungsverordnungen.

Nach wie vor sei Beteiligung vielerorts faktisch ausgesetzt, sagte Ana-Maria Stuth, Leitung Programme bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), in ihrer Eröffnungsrede zum zweiten AUF!leben-Perspektivdialog „Teilhabe in der Krise?! Beteiligung von Jugendlichen in Zeiten der Corona-Pandemie“. „Kitas sind geschlossen, AGs finden nicht statt und viele externe Träger dürfen nicht an den Schulen arbeiten, um Ansteckungen zu vermeiden.“ Doch gebe es auch viele gute Beispiele, von denen einige zum Perspektivdialog eingeladen waren. „Heute konzentrieren wir uns auf das, was gut läuft und was sich auch in dieser Situation umsetzen lässt.“

Jugendgerechte soziale Räume helfen durch die Pandemie

Den ersten fachlichen Impuls lieferte Professor Dr. Wolfgang Schröer von der Universität Hildesheim. Im Forschungsverbund „Kindheit-Jugend-Familie in der Corona-Zeit“ der Universitäten Hildesheim, Frankfurt und Bielefeld untersucht er unter anderem die Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen in der Krise. Das Ergebnis: Im Dezember 2021 bescheinigten viele Jugendliche den Institutionen zwar, gelernt zu haben. Doch eine überwältigende Mehrheit fühlt sich weiterhin nicht berücksichtigt und nicht gehört. Das hat Folgen für den Umgang mit der Pandemie: „Junge Menschen, die zum Beispiel trotz allem noch Räume für Austausch, Selbstwirksamkeit und gemeinsames Handeln haben, fühlen sich durchschnittlich weniger durch die Krise belastet.“

Der Forscher plädierte daher für eine grundlegend andere Haltung zu jugendlicher Partizipation. Junge Menschen seien als Grundrechtsträger zu betrachten. „Wir gestehen ihnen Beteiligung nicht zu. Sie haben darauf einen gesetzlich verankerten Anspruch. Sie müssen auch nicht stark gemacht werden oder beweisen, dass sie Teilhabe können.“ In der pädagogischen Arbeit seien Schutz, Befähigung und Partizipation also nicht voneinander zu trennen.

"Wir haben einen Auftrag, die Beteiligungsrechte junger Menschen zu verwirklichen. Kacheln wir an dieser Aufgabe."

Professor Dr. Wolfgang Schröer, Universität Hildesheim

Die Sprache der Zielgruppe lernen

In sieben parallelen Themenvertiefungen hatten die Teilnehmer:innen anschließend die Möglichkeit, sich zu einzelnen Schwerpunkten auszutauschen. Die Bandbreite reichte von Beteiligung in Schulen, in ländlichen Regionen oder im Sport über kommunale Jugendbeteiligung bis zu digitalen Formaten  in der politischen Bildung. Im offenen Austausch zeigte sich: Gerade der digitale Schub wirkt sich ambivalent auf Jugendbeteiligung aus.

Einerseits berichteten die Projekte und Einrichtungen von einem breiten Zuwachs an technischem Wissen und Erfahrungen, von einer größeren Reichweite sowie neuen Zielgruppen, mit denen sie via WhatsApp, Videocalls und Projektplattformen in Kontakt gekommen sind. Beteiligung, so die Hoffnung einiger Teilnehmer:innen, könne hier einen neuen Aufwind erfahren, wenn es gelingt, jugendgerecht zu kommunizieren und Menschen ins Boot zu holen, die einen guten Zugang zu jungen Menschen in ihren jeweiligen Lebensräumen haben.

Zwischen Reichweite und digitaler Ermüdung

Andererseits jedoch zeichnet sich nach zwei Jahren Pandemie eine digitale Müdigkeit ab. Das bestätigte auch Samuel Rynio, der in der Themenvertiefung „Vor Ort mitgestalten – kommunale Jugendbeteiligung“ über das Jugendparlament Siegen sprach.

„Wir haben vormittags Online-Unterricht und nachmittags Online-Projekte. Das ist anstrengend und vielen einfach zu viel.“

Samuel Rynio, Jugendparlament Siegen

Zudem sind neue Barrieren hinzugekommen: Mancherorts weigern sich Ansprechpersonen in Verwaltungen, Schulen oder im Sozialraum bis heute, sich mit digitalen Tools auseinanderzusetzen. Die Vielfalt unterschiedlicher Tools und Plattformen nehmen viele als überfordernd war. Und: Weit verbreitete Messenger und Video-Plattformen verlangen ein Mindestalter. Zumindest offiziell fallen sie damit für einen großen Teil der Zielgruppe aus.

Die Chancen von Beteiligung

Zusätzlich liegen noch jene Herausforderungen, die es auch vor der Corona-Krise schon gab. Einig waren sich die Teilnehmer:innen in einem: Krisenfest war Jugendbeteiligung noch nie. Auch deshalb findet sie in der Pandemie bis heute zu wenig statt.

Aber auch hier zeichnen sich Lichtblicke ab. Im ländlichen Raum beobachten Projekte verstärkt die Erkenntnis, dass Jugendbeteiligung beim Umgang mit dem demografischen Wandel hilft. Weitgehend durchgesetzt hat sich die Einsicht, dass die Corona-Pandemie  junge Menschen besonders belastet hat. Neben der Realität zusammenbrechender Beteiligungsstrukturen wachse daher wieder die Bereitschaft, sich auf die Perspektiven von Kindern und Jugendlichen einzulassen.

Und: Junge Menschen und Erwachsene kommunizieren auch deshalb aneinander vorbei, weil sie digitale und analoge Welten unterschiedlich begreifen. Für junge Menschen sind beide Räume durchschnittlich viel stärker verzahnt. Durch den digitalen Schub haben sich jedoch Perspektiven angeglichen – mit ganz neuen Chancen, in Kontakt zu treten, im Austausch zu bleiben und Strukturen für gemeinsames Handeln aufzubauen.

 

Die vollständige Dokumentation des  2. AUF!leben-Perspektivdialogs finden Sie hier:

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