Suche
Projekte

Impulsvortrag

© DKJS/MH

Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung in Zeiten der Pandemie

Nora Brezger, seit zwölf Jahren hauptamtliche Mitarbeiterin beim Flüchtlingsrat Berlin e. V., macht gleich zu Beginn ihres Vortrages deutlich, dass es DIE Kinder und Jugendlichen mit Fluchterfahrungen nicht gibt, sondern jedes Kind und jede:r Jugendliche eine eigene Geschichte mitbringt und während der Pandemie vor individuellen Herausforderungen stand.

Die Pandemie hat sämtliche Schwierigkeiten, die der Flüchtlingsrat schon lange vorher immer wieder benannt hat, deutlich sichtbar gemacht. Nora Brezger unterscheidet dabei vor allem Problemlagen in den Bereichen: 

  • Wohnsituation/Unterbringung 
  • Bildung/Schule/Willkommensklassen 
  • Traumatisierung 

Eine Sammelunterkunft ist kein Ort für Kinder und Jugendliche

Viele Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung mussten die Zeit der Pandemie in Sammelunterkünften verbringen. Das bedeutete für sie: keine Privatsphäre; die Präsenz von Polizei, die die Quarantäne überwachte; viele von ihnen wurden immer wieder Zeug:innen von Gewalt und Abschiebungen, was sich oft sehr (re-)traumatisierend auswirkte und extrem belastend war. Oftmals wurden ganze Stockwerke oder Unterkünfte aufgrund von Gemeinschaftsküchen und -sanitäranlagen unter Quarantäne gestellt. Der Zugang zu Informationen rund um die Schutzmaßnahmen waren in den Herkunftssprachen der Familien oft nur unzureichend vorhanden, was große Unsicherheiten auslöste. Auch die nicht vorhandene Wahlmöglichkeit beim Impfstoff* verunsicherte viele Eltern, was sich auch auf die Kinder und Jugendlichen übertrug.

Beim Homeschooling „verloren gegangen“

Viele Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrungen waren mehrere Jahre auf der Flucht, was gebrochene Bildungsbiografien zur Folge hatte. Waren sie gerade dabei, in ihren neuen Klassen in Deutschland anzukommen, hat die Pandemie sie dort jäh wieder herausgerissen. Homeschooling war für viele der Kinder und Jugendlichen in Sammelunterkünften schlicht unmöglich. Vielerorts war das WLAN nur schwer zugänglich. In den Willkommensklassen lernten die Kinder und Jugendlichen vorrangig Deutsch, Fachunterricht wie digitale Bildung gab es kaum. Das heißt, vielen Kindern und Jugendlichen fehlten die IT-Kenntnisse, um am Homeschooling teilzunehmen. Und auch ihre Eltern konnten sie aufgrund fehlender Sprachkenntnisse oftmals nicht unterstützen. Einer Umfrage des Berliner Flüchtlingsrates zufolge sind den Berliner Schulen in dieser Zeit 50 bis 60 Prozent der Schüler:innen, die in Unterkünften für Geflüchtete wohnen, „verloren gegangen“.

Diese strukturellen Probleme traten durch die Pandemie sehr deutlich zutage. Zum Abschluss ihres Vortrags macht Nora Brezger die wichtigsten Forderungen des Flüchtlingsrates deutlich: Menschen und Familien mit Fluchtgeschichte brauchen Wohnungen oder zumindest Apartmentstrukturen in Sammelunterkünften. Sie benötigen Zugang zum Wohnungs- und Arbeitsmarkt und den Einstieg in den Regelunterricht und ins Studium. 

* In Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete wurde oft ausschließlich der Impfstoff Johnson & Johnson eingesetzt. 

Aufzeichnung des Impulsvortrags

Empfohlener externer Inhalt: YouTube-Video

Graphic Recording zum Impulsbeitrag

Empfohlener externer Inhalt: YouTube-Video

zum gesamten
Rückblick

Cookie-Einstellungen

Unsere Webseiten verwenden Cookies zur Verbesserung der Bedienung und des Angebots sowie zur Auswertung von Webseitenbesuchen. Einzelheiten über die von uns eingesetzten Cookies finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.