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Teilhabe zwischen Pflicht und Haltung

Ein Impuls von Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Universität Hildesheim

Im Verbund mit den Universitäten Frankfurt/Main und Bielefeld forscht das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik an der Stiftung Universität Hildesheim zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf junge Lebensentwürfe. Die Studien "Jugend und Corona I + II" nehmen dabei auch die Beteiligung junger Menschen an den sie betreffenden Entscheidungen in den Blick. Ein Überblick über ihre Ergebnisse und ein Plädoyer dafür, Kinder und Jugendliche systematisch einzubeziehen. 

Geschlossene Kitas, digitaler Unterricht, ausfallende AGs, eingeschränkter Kontakt und viele zusätzliche Hürden beim Übergang ins Berufsleben: Die Corona-Pandemie hat junge Menschen umfassend in ihren Lebensentwürfen getroffen. "Was in den vergangenen beiden Jahren an Lebenszeit verloren gegangen ist, lässt sich in den meisten Fällen auch nicht nachholen", sagte Professor Wolfgang Schröer in seinem Impulsvortrag zum 2. AUF!leben-Perspektivdialog.

Umso bemerkenswerter: Auch zwei Jahre nach Beginn der Krise fühlen sich viele junge Menschen in eine beobachtende Rolle gedrängt.

In einer zweiten umfassenden Erhebungswelle im November 2021 bescheinigten viele der befragten Kinder und Jugendlichen den Institutionen zwar eine gewisse Lernfähigkeit. Doch eine überwältigende Mehrheit fühle sich weiterhin nicht angemessen gehört oder berücksichtigt. Das habe Folgen für den Umgang mit der Pandemie: „Junge Menschen, die zum Beispiel trotz allem noch Räume für Austausch, Selbstwirksamkeit und gemeinsames Handeln wahrnehmen, fühlen sich durchschnittlich weniger durch die Krise belastet.“

"Wir haben den Auftrag ...

... die Beteiligungsrechte junger Menschen zu verwirklichen. Kacheln wir an dieser Aufgabe."

Professor Dr. Wolfgang Schröer, Universität Hildesheim

Teilhabe: Vor allem eine Frage der Haltung

In seinem Plädoyer für die Jugendbeteiligung wies Professor Schröer noch einmal auf die gesetzliche Grundlage hin. Sowohl in der UN-Kinderrechtskonvention als auch im achten Sozialgesetzbuch, dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, sei klar geregelt: Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, dass ihre Meinung in allen Angelegenheiten, die sie betreffen, zu berücksichtigen ist. "Mit der Reform des SBG VIII im vergangenen Herbst ist dieses Recht sogar noch einmal gestärkt worden, zum Beispiel mit der gesetzlich verpflichtenden Einführung von Ombudsschaften." Vor Ort jedoch sei die Realität vielfach eine andere: Jene, die Partizipation umsetzen müssen, beklagen, dass ihnen im Alltag genau dafür die Ressourcen fehlen. Hier stimme schon die Haltung nicht, führte der Forscher aus: "Partizipation ist kein Projekt, kein Gegengift, sondern der Ausgangspunkt."

Für mehr Partizipation müssen sich also die generelle Haltung zu jugendlicher Partizipation ändern. Junge Menschen seien hier als Grundrechtsträger zu betrachten. „Wir gestehen ihnen Beteiligung nicht zu. Sie haben darauf einen gesetzlich verankerten Anspruch. Sie müssen auch nicht stark gemacht werden oder beweisen, dass sie Teilhabe können.“

Aufzeichnung des Impulsvortrags

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